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Von Thilo Resenhoeft, dpa
Hamburg (dpa) - Die Nachricht
sorgte bei vielen Fotografen für ungläubiges Staunen. Der japanische
Kamerahersteller Nikon will die Produktion herkömmlicher Kameras bis auf
zwei Modelle einstellen und sich fortan fast ganz auf die digitale Technik
konzentrieren. Die analogen Kameras hätten nur noch drei Prozent des
Umsatzes der Fotosparte ausgemacht. Die Japaner fertigten das bislang
umfassendste Programm an Kameras und Objektiven und trieben die Entwicklung
von Spiegelreflexkameras entscheidend voran. Die Zukunft gehört den
Digitalkameras: Den modernen Bilderfängern mit Siliziumchip stehen bei Nikon
künftig nur noch zwei analoge Kameras zur Seite. Der Ausstieg wirft
unüberhörbar die Frage auf, wie lange es die herkömmliche Fotografie
überhaupt noch geben wird.
Die Nachricht kommt in einem Jubiläumsjahr: Vor 25 Jahren, 1981, verkaufte
Sony seine erste elektronische Kamera, die Mavica. Zunächst waren sie und
ähnliche Modelle Exoten. Inzwischen scheint es umgekehrt um die Fotografie
mit lichtempfindlichen Silberverbin-dungen und Farbstoffen nicht mehr
sonderlich gut bestellt. Im vergangenen Jahr verschwand der Konsumerbereich
des Traditionsherstellers Agfa - Pionier des Farbfilms - von der Bildfläche.
Auch der Mittelformat-Kamerahersteller Bronica gab auf. Der britische
Produzent Ilford, über Jahre hinweg fast ein Synonym für Fotopapier, stand
gleichfalls kurz vor dem Ende. Auch Leica geriet mit seinen analogen Kameras
tief in die roten Zahlen, hofft nun aber wieder inständig auf Gewinne -
besonders allerdings durch die Digitalfotografie.
2006 werden in Deutschland voraussichtlich acht Millionen solcher Kameras
und schätzungsweise eine Million herkömmlicher Apparate verkauft, schätzt
der Fotoindustrie-Verband. Das wären zugleich so viele Kameras wie hier zu
Lande nie zuvor", betont dessen Sprecherin Constanze Clauß. Aber: 80 Prozent
der deutschen Haushalte haben analoge Kameras. Und die halten lange",
ergänzt sie. Ob es diesen oder jenen Film auch künftig noch geben wird,
bestimme der Markt.
Für Mirko Boeddecker - geschäftsführender Gesellschafter von Adox- Fotoimpex
in Berlin - entbehrt das Gerede vom Ende der analogen Fotografie" indes
schlichtweg der Grundlage. Nikon sei in erster Linie Hersteller von
Profiwerkzeugen. Und das die alle digital arbeiten, ist doch klar", sagt der
Anbieter eines umfassenden Schwarzweiß-Sortimentes. Sicherlich wandele sich
der analoge Massen- zum Spezialmarkt, dieser aber ist gesund und wächst
sogar". Es gebe immer mehr Enthusiasten, die kein Bild bei Auftraggebern
abgeben müssen und analog fotografierten, weil sie das eben so wollen.
Mittlerweile legten sogar junge Leute die digitale Kamera wieder zur Seite,
um auch eine analoge kennen zu lernen. Die Nachfrage wächst erfreulich",
sagt Boeddecker. Wie sich das Angebot künftig auf der Anbieterseite
entwickeln werde, sei allerdings unklar.
Fotoimpex lässt bereits jetzt bei kleinen Herstellern in Kroatien, China,
Russland oder Ungarn unter der Marke Adox eigene Filme gießen. Das sind dann
Kleinstmengen von rund 5000 Filmen aus einem Guss. Die zweite Alternative:
Wenn sich in einem stabilen Markt genügend Abnehmer finden, könnte es sich
auch für die Anbieter von Röntgen- und Mikrofilmen lohnen, einige Chargen zu
fertigen.
Eastman Kodak ist nach eigenen Angaben der größte Filmhersteller, in
Deutschland hat das US-Unternehmen nach eigenen Angaben einen Marktanteil
von rund 50 Prozent. Das Unternehmen befindet sich in einem tief greifenden
Strukturwandel, der mit einem Abbau von vielen tausend Arbeitsplätzen einher
geht. Wir wollen so lange Filme verkaufen, wie sie nachgefragt werden. Und
das wird noch ziemlich lange der Fall sein", sagt Fred Seibl, bei Kodak
Manager für Consumer Digital Imaging. Das gelte für Farb-, Dia und s/w-Filme.
Das Filmgeschäft wird für uns, aber auch für unsere Handelspartner, noch
über viele Jahre eine hohe Priorität genießen." |