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Sterling Heights Deutsche, die nach Detroit ziehen, staunen oft darüber,
wie viele Landsleute sie in der neuen Umgebung treffen. Meistens knüpfen die
Neuankömmlinge Kontakte zu Expats, die sich in einer ähnlichen Situation
befinden - und so bleiben Mitarbeiter deutscher Firmen auf Auslandseinsatz
sowie ihre Familienangehörigen meistens unter sich. Dass es im Großraum
Detroit zahlreiche Vereine und Clubs alteingesessener Deutschamerikaner gibt,
ist vielen schlichtweg nicht bekannt. Auch die Vielfalt von Geschäften, die
ihr Lebensmittelangebot auf den Geschmack deutscher Kunden abgestimmt haben,
dürfte nicht allen geläufig sein. Jawohl, man kann in Detroit richtigen
Quark kaufen! Und wer deutsche Essiggurken oder eine ganz bestimmte Sorte
Gummibärchen zum Überleben braucht, für den ist ebenfalls gesorgt.
Aber wie kommen nun die Spätzle zum Exil-Schwaben? Und wie findet der
Gemischte Chor neue Sänger und Sängerinnen? Christina Griesser, die rührige
Präsidentin der German Professional Women's Organisation (GPWA), hatte eine
Idee: Wir müssen die verschiedenen Gruppen einfach einmal zusammenbringen",
schlug sie bei einem Delegiertentreffen des German American Cultural Center
(GACC) vor. Der GACC ist der Dachverband von insgesamt 14 in Metro Detroit
ansässigen Clubs und Vereinen mit deutschem, österreichischem oder Schweizer
Hintergrund.
Zugegeben, es dauerte ein bisschen, bis Christina Griesser für ihr Anliegen
genügend begeisterte Mitstreiter fand. Eine German American Networking Fair
in der Carpathia-Halle, dem deutsch-amerikanischen Zentrum in Sterling
Heights, das gab es schließlich noch nie. Und bei den Hütern deutscher
Tradition in Amerika sind so neumodische Aktionen naturgemäß schwer
durchzusetzen. Aber die GPWA-Präsidentin schaffte es. Über 50 Anbieter und
Clubs kamen am Sonntagnachmittag in die Carpathia - und trotz des schönen
Herbstwetters war die Messe ordentlich besucht. Der Carpathia-Club hatte die
Halle kostenlos zur Verfügung gestellt, und der Eintritt war frei.
GACC-Präsident Franz Sinz bedauerte nur, dass deswegen keiner die genaue
Besucherzahl feststellen konnte: Nächstes Mal müssen wir unbedingt Tickets
ausgeben!"
Auch der deutsche Honorarkonsul Fred Hoffman drehte eine Runde durch die
Halle. Jim Stokes, der die Regierung des Bundesstaates im Südosten Michigans
vertritt, übermittelte Grüße von Gouverneurin Jennifer Granholm. 2,7
Millionen Menschen mit deutscher Abstammung leben in Michigan", sagte
Stokes. Mehr als ein Viertel der Bevölkerung also. Das erklärt die große
Zahl deutscher Vereine in Detroit, von denen erstaunlich viele bis heute
überlebt haben: Zum GACC gehören unter anderem der Detroit Schwaben
Unterstützungs-Verein, der GBU/Saxonia Rheingold Gemischter Chor und der
Sport Club 1924. Bereits aus den Namen geht hervor, dass es sich um
altehrwürdige Institutionen handelt. Und die Mitglieder sind oft nicht mehr
die Jüngsten - manche Clubs, etwa die Austrian Society, haben zwar den
Nachwuchs integriert, möchten aber auf jeden Fall auch Neuankömmlinge
ansprechen.
Wir haben sonst kaum Gelegenheit, mit den neu zugewanderten Deutschen zu
reden", erklärte Marianne Krenzer, GACC-Vorstandsmitglied und nach eigener
Auskunft seit 49,5 Jahren in den USA". Nicht nur, dass sich selten
Berührungsmöglichkeiten ergeben: Ich hatte auch das Gefühl, dass wir nicht
offen genug sind - und das wollen wir nun ändern." Insofern war die Messe
sicher ein Erfolg: Viele Leute hätten ihm erzählt, sie seien zum ersten Mal
in der Carpathia, freute sich George Schemmel jr. vom GACC, der Christina
Griesser bei der Organisation der Networking Fair unterstützt hatte. Und
etliche Besucher hatten keine Ahnung, dass es in Detroit eine
deutschsprachige Zeitung gibt, berichtete Verleger Knuth Beth.
Die Leute waren erstaunt, wie viele Angebote es gibt, die auf ein
deutschsprachiges Publikum zielen", sagte Martina Dorn von The Newcomer's
Network. Neben Relocationfirmen gibt es vor allem Immobilienmakler oder
Finanzexperten, die sich auf deutsche Kunden spezialisiert haben. Die lieben
Kleinen sind bei den German American Kids (GA Kids) gut aufgehoben.
Wahrscheinlich naschen sie dort deutsche Schokolade - auch in der Carpathia-Halle
war Candy made in Germany heiß begehrt. Neben all den deutschen
Lebensmitteln durfte deutscher Wein nicht fehlen. Und das füllt nun wirklich
eine Lücke im Angebot, was ebenso US-Kunden interessieren könnte: Wein ist
auch in Amerika ein Kulturgut geworden", sagte Helga Janz-Wagner, die
Erzeugnisse vom Weingut ihrer Eltern anbot und fleißig Proben ausschenkte.
Den Zwiebelkuchen dazu hatte sie selbst gebacken. Und welcher Tropfen
mundete den Deutschen am besten? Der Dornfelder", antwortete ihr Mann.
Unter den Ausstellern waren auch zwei Kirchengemeinden mit deutschsprachigen
Gottesdiensten: St. Joseph Roman Catholic Church in Downtown Detroit und St.
Peter's Lutheran Church in Warren. Viele Besucher hatten keine Ahnung, dass
es hier sowas gibt", sagte Pfarrer Haiko Behrens von St. Peter's. Sie waren
sehr angetan - vor allem im Hinblick auf Weihnachten!"
Cornelia Schaible |