30 June, 2008

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Der Mythos Achter lebt - So wichtig wie Bern 1954

Der deutscher Achter: Gold bei den Weltmeisterschaften.

Eton (dpa) - Der Mythos lebt. Das erste WM-Gold des Deutschland- Achters seit elf Jahren wurde beim abendlichen Bankett im Mannschafts-Hotel ausgiebig begossen. Inmitten der präsidialen Danksagung für Trainer Dieter Grahn stimmten alle spontan die Nationalhymne an - begleitet vom rhythmischen Klatschen der ausgelassenen Athleten. Sichtlich bewegt sprach DRV-Sportdirektor Michael Müller von einer historischen Tat: Für unseren Sport ist dieser WM-Sieg vielleicht so wichtig wie für die Fußballer Bern 1954."

Das beliebteste Ruderboot der Deutschen, lange Jahre eine Art nationales Erfolgssymbol, ist zurück in den positiven Schlagzeilen. Wenige Minuten nach dem Sieg über die Konkurrenz aus Italien und den USA leitete ein altes Ritual die Party ein: Im hohen Bogen flog Steuermann Peter Thiede (Dortmund), schon beim letzten WM-Triumph 1995 in Tampere (Finnland) dabei, in den Dorney Lake. Seine acht Mitstreiter sprangen johlend hinterher - ganz so, als habe der grandiose Parforceritt keine Kraft gekostet. Crew-Mitglied Philipp Stüer (Münster) wäre am liebsten gleich wieder ins Boot gestiegen: Wir hätten locker noch 1000 Meter weiter rudern können."

Der unerwartet deutliche Sieg verblüffte die Fachwelt. Wie in Trance fuhr die Crew um Schlagmann Bernd Heidicker (Herne) allen Konkurrenten auf und davon. Nicht nur Trainer Grahn geriet kurz ins Grübeln, als seine Crew bereits bei der 1000-Meter-Marke mit einer Bootslänge vorne lag. Doch der befürchtete Krafteinbruch auf der zweiten Streckenhälfte blieb aus: Mit viel Routine und Gefühl führte Schlagmann Bernd Heidicker (Herne) den Vorjahres-Dritten ins Ziel.

Mit Genugtuung nahm Grahn Glückwünsche entgegen. Seine umstrittene Entscheidung, die ehemaligen Vierer-Weltmeister Heidicker und Stüer für zwei starke jüngere Ruderer in den Achter zu beordern, machte sich bezahlt. Es hat sich gezeigt, dass ich alles richtig gemacht habe", sagte der Trainer. Fünf Jahre nach seiner ersten WM als Chefcoach knüpfte Grahn dort an, wo sein Vorgänger Ralf Holtmeyer 1995 aufgehört hatte.

Unweit entfernt vergoss Klaus Walkenhost Freudentränen. Nach einem zweiten Platz (2003) und zwei dritten Rängen (2001/2005) in den vergangenen WM-Jahren kam der Sieg für den Leiter des Dortmunder Stützpunktes zur rechten Zeit. Seit dem Ausstieg des langjährigen Partners Telekom im vorigen Jahr sucht er einen neuen Sponsor für das Paradeboot. Mit dem Erfolg von Eton verbesserte sich seine Verhandlungsposition: Ich bin zuversichtlich, schon in drei oder vier Wochen Vollzug melden zu können."

Auch im sportlichen Bereich gibt es Grund zum Optimismus. Ein Jahr vor der Heim-WM in München und zwei Jahre vor den Olympischen Spielen in Peking ist ein Aufwärtstrend im Riemenbereich unverkennbar. Nicht nur der Männer-Achter übertraf alle Erwartungen: Der Vierer ohne Steuermann fuhr nur knapp am Gold vorbei. Eine fragwürdige Rennstrategie mit einem zu verhaltenen Start verhinderte einen Erfolg über Seriensieger Großbritannien. Frauen-Achter (Silber) und Zweier ohne Steuerfrau sorgten für weitere Medaillen. Wenn wir jetzt die Ruhe bewahren, ist mir vor Peking nicht bange", sagte Sportdirektor Müller.

 

 

Last modified on:01/14/2008

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