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Von Melanie Brandl, dpa
Worms/Darmstadt (dpa) - Da ist es
klar, dass diese Entwicklung auch vor den Frisuren nicht Halt macht: Schöne,
glänzende Haare, akkurat geschnitten und aufwendig gestylt, liegen im Trend.
Man gönnt sich optischen Luxus", so bringt Jens Dagné, Friseur aus Worms,
die aktuelle Entwicklung auf den Punkt. Raffinesse und Noblesse sind wieder
gefragt", sagt Dagné, der auch Sprecher der Friseurvereinigung Intercoiffure
Deutschland" ist.
Dazu passt, dass auch junge Frauen plötzlich wieder klassische
Dienstleistungen wie Waschen und Legen" in Anspruch nehmen, ergänzt Simone
Frieb von der in Köln erscheinenden Fachzeitschrift Clips". Ästhetik spiele
eine ganz große Rolle. Und deshalb macht frau sich auch wieder richtig
Arbeit mit ihren Haaren."
Vorbei ist diesen Sommer also die Zeit der Wash and Go"-Frisuren, sagt auch
Friseurweltmeisterin Martina Acht aus Offenbach. Der Kunde will wieder mehr
Styling: Man verwendet Curler, arbeitet mit Rundbürsten oder setzt noch
Haft-wickler drauf." Klare Linien seien bei den Schnitten angesagt: Ganz
zipfelige oder fransige Looks würden - gerade bei längeren Haaren - immer
seltener, sagt Acht.
Man kann sagen, der Trend geht zur Architektur auf dem Kopf", sagt Yvonne
Busch von L'Oréal in Düsseldorf. Klare Strukturen und geometrische Formen
dominieren, und in der sehr modischen Variante dürfen in kantige Schnitte
sogar Teildauerwellen eingesetzt werden, sagt Redakteurin Frieb.
Überhaupt ist die Dauerwelle - pünktlich zu ihrem 100. Geburtstag - in
diesem Frühjahr ein großes Thema. Locken kommen auf jeden Fall wieder", sagt
Jens Dagné voraus. Allerdings haben sich seit der letzten Dauerwellenmode in
den achtziger Jahren die Produkte entscheidend verbessert. Sie sind längst
nicht mehr so aggressiv zum Haar und lassen sich viel besser verarbeiten.
Ein besseres Image verdiene die Dauerwelle deshalb allemal.
Ich vergleiche die Dauerwelle von früher gern mit einer Silikonbrust",
scherzt Martina Acht. Was wir heute machen sind eher Push-Up-BHs fürs Haar.
Die Wellen geben dem Haar mehr Halt, Volumen und Struktur. Mit den
Mantafahrerbräuten von früher hat das nichts mehr zu tun."
Auch in Sachen Farbe tut sich dieses Frühjahr einiges. Neben kühlen
Brauntönen sind vor allem Paintings" ein großes Thema. Bei Paintings wird in
die natürliche Bewegung des Haares buchstäblich hinein gemalt", erklärt
Simone Frieb. Das erzeuge natürliche, verwischte Farbeffekte, die dem
Schnitt Höhen und Tiefen geben können. Das wirkt ganz anders als der
Zebrastreifen-Look der herkömmlichen Strähnchen."
Paintings seien außerdem sehr kundenfreundlich, weil auch das
Herauswachsenlassen kein Problem darstellt, betont Martina Acht. Da kein
konkreter Ansatz zu sehen ist, wachsen die Paintings einfach mit. Deshalb
sind sie gerade für Frauen, die nicht gefärbt aussehen möchten, die perfekte
Alternative", schwärmt auch Simone Frieb.
Selbst die Herren legen in dieser Saison wieder mehr Wert auf das Styling.
Die lässige Surfermähne ist allmählich out". Hippe Männer präsentieren sich
nun gern als smarter Dandy. Mit dieser Einschätzung wirbt zumindest das
Unternehmen Wella aus Darmstadt in seinem aktuellen Look Gothic Luxury".
Eine solche Frisur muss dann aber extrem akkurat und technisch sehr sauber
geschnitten sein, weiß Simone Frieb. Das Deckhaar dürfte dabei ruhig wieder
etwas länger werden, ergänzt Martina Acht. Weiche Konturen, sehr
gentlemanlike, seien beim modischen Herren angesagt.
Jens Dagné setzt auf längere Koteletten und einen langen Fransennacken, denn
Männer werden mutiger", so Friseur. Er geht sogar so weit, den ganz Mutigen
unter ihnen markante Strähnen oder ein gewagtes Grün hinein zu färben. Das
ist nicht jedermanns Sache. Daher halten sich daneben selbstverständlich
weiter klassische Herrenschnitte, sagt Martina Acht. Es mag schließlich
nicht jeder im Büro als Dandy auftauchen." |