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Hamburg (dpa) - Wahre Kultur
besteht darin, dass man so allerlei Dinge über Bord wirft." Der Satz stammt
von Coco Chanel, und wahrscheinlich hätte das Modejahr 2005 die legendäre
Kleidermacherin zutiefst befriedigt.
Die Designer sind auf die Bremse getreten. Vergessen der Prunk und Glamour
der vergangenen Jahre, das Klimpern und Glitzern. Man beginnt gewöhnlich mit
dem viel zu Schönen, um dann bei dem ganz Schlichten zu landen", hatte
Chanel erklärt. Verblüffend ähnlich hörte sich das nun bei Miuccia Prada
nach der Schau ihrer Winterkollektion 2005/2006 an: Man kann kaum glauben,
wie viel Arbeit wir hineingesteckt haben, und dann kommt dies heraus: ein
einfaches schwarzes Kleid."
Vor allem dank Pradas wegweisender Kollektion stieg simples Schwarz zum
Gewinner der Saison auf. Auch Véronique Branquinho, Paco Rabanne oder Boss
schwelgten in wunderschönen schwarzen Entwürfe. Daneben traten andere dunkle
Töne wie Violett (etwa bei Céline und Gianfranco Ferré), Petrol (bei Akris
oder Vuitton), Grau (Bottega Veneta oder Ralph Lauren) und Flaschengrün
(Yves Saint Laurent) als Solisten auf: Einfarbigkeit ist wieder angesagt.
Nach Jahren voller Ornamente, Stickereien, Folklore-Schick und Flohmarkt-Look
überraschte dies viele Mode-Fans. Doch andererseits stellt steter Wechsel
fast eine Art Grundgesetz der Mode dar. Und so liegt es auf der Hand, dass
viele - des üppigen Dekors der Vergangenheit müde - sich wieder schlichter
kleiden mögen.
Doch die neue Zurückhaltung ist nicht mit Langeweile gleichzusetzen. Der
Luxus wirkt im Hintergrund. So besaßen die Trendfarben dieses Jahres einen
leichten Schimmer. Zudem trumpften tolle Materialien wie leichte
Kaschmirqualitäten, weiches Kalbsleder (etwa für Fliegerjacken im Stil des
Films The Aviator") oder glänzende Seide (etwa bei Zac Posens sexy
Abendkleidern mit Volants) auf. Dank der klaren Grundlinie vermögen sie eine
viel stärkere Wirkung zu entfalten als bei den geschmückten" Teilen der
vergangenen Saisons. Statt der Pelzjacke trägt man einen perfekt
geschnittenen Wollmantel oder ein schickes Cape.
Dekorative Elemente verschwinden jedoch nicht ganz. Sie werden nur gezielter
eingesetzt. Der Pelz findet sich als Besatz an der Jacke wieder, die
Jetperlen als Blickfang am Mantelkragen. Und da zahlreiche locker
schwingende Röcke zudem die Vorherrschaft der Hosen gebrochen haben, sieht
die Mode zwar zurückhaltend, doch feminin aus.
Auf das Wesentliche scheinen sich die Designer konzentrieren zu wollen:
gutgeschnittene, tragbare und dennoch elegante Kleidung. Und das bleibt auch
im kommenden Frühjahr so. Zwar spielen handarbeitliche Elemente wie
Stickereien, Klöppelspitze und ähnliches eine Rolle, doch werden sie sparsam
eingesetzt. All das, was man als Talmi" bezeichnen könnte, wertloser Zierrat,
ist out.
Dahinter steckt mehr als nur eine wechselnde Modelaune. Auf einer
hochkarätig besetzten Tagung des Europäischen Mode-Instituts (EMI) unter dem
Motto True Values - Botschaften aus dem Zeitalter der Ehrlichkeit" in Berlin
stellte EMI-Präsident Peter Paul Polte kürzlich die Frage: Suchen die
Verbraucher nach neuen Werten?" Als Referenten waren Designer oder Manager
von Firmen geladen, die sich mit unverwechselbaren Konzepten einen Namen
gemacht haben wie das italienische Strick-Label Missoni oder die
kalifornische Jeans-Marke 7 for all mankind".
Sie alle zeigten: Die Modekunden der Zukunft wollen einfach gute und
eigenständige Produkte kaufen. Und keine Entwürfe mit riesigen Logos, die
selten halten, was sie versprechen. Das schwarze Samtkleid schlägt das
strassbesetzte Seidentop. Die rustikale Rindsledertasche verdrängt das
Kroko-Modell mit Goldschließe. Nicht Glamour, der nach wenigen Tagen
abblättert, ist gefragt. Sondern ein sanftes beständiges Leuchten. |