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Leipzig
(dpa) - Im Umgang mit Fußballfans - egal ob friedlich oder aggressiv - hat
die Leipziger Polizei in den vergangenen Jahren viele Erfahrungen gesammelt.
Doch wenn im Sommer bei der Fußball- Weltmeisterschaft die ganze Welt zu
Gast bei Freunden in Deutschland ist, wartet eine neue, diesmal sprachliche
Herausforderung auf die Ordnungshüter. Um ausländischen Fans und
Medienvertretern dann nicht wortlos gegenüberstehen zu müssen, drücken
einige von ihnen nun wieder die Schulbank und lernen Englischvokabeln rund
um Polizeiarbeit und Fußballspiele.
Unser Schwerpunkt
ist vor allem das Sprechen. Die Teilnehmer sollen lernen, ihre Scheu zu
überwinden", sagt Sylvia Quandt, die Kursleiterin, die normalerweise an der
Sächsischen Polizeihochschule in Rothenburg unterrichtet. Anders als sonst
sitzen der 46-Jährigen derzeit aber keine Polizeianwärter gegenüber, sondern
erfahrene Beamte, junge und alte, mit grünen oder silbernen Sternen,
Verkehrspolizisten oder Pressesprecher. Insgesamt 15 sind es in diesem Kurs,
12 Männer und drei Frauen. Fast alle haben schon während der Ausbildung
einmal Englisch gelernt, allerdings ohne dabei je eine Fußballvokabel in den
Mund genommen zu haben.
Das holen sie
jetzt nach, um fit zu sein für ihren Einsatz bei den fünf WM-Partien, die im
Leipziger Zentralstadion ausgetragen werden - auch wenn da zumindest in der
Vorrunde gar kein englischsprachiges Team dabei ist. Täglich müssen
Hausaufgaben gemacht werden, in Rollenspielen - die später anhand einer
Videoaufzeichnung analysiert werden - wird die Begegnung mit ausländischen
Fans, Touristen und Randalierern geprobt. Das war anfangs etwas
gewöhnungsbedürftig", gibt Polizeikommissar Christian Otto zu. Aber es hilft
wirklich, wenn man sich mal selbst sehen kann." Bei kleineren Hängern helfen
ihm und den anderen die Plakate, mit denen Sylvia Quandt sämtliche Wände
tapeziert hat. Was machen Hooligans?" und Was macht die Polizei?", steht
darauf, gefolgt von endlos langen Listen mit englischen Verben.
Damit die
Leipziger Polizisten sich während der WM nicht alleine durch den
Sprachdschungel kämpfen müssen, haben sich unlängst auch andere
Berufsgruppen dem Beispiel angeschlossen. So laufen in diesen Tagen
Sprachkurse für Taxi-, Bus- und Straßenbahnfahrer sowie für das Personal der
Deutschen Bahn. Fremdsprachen sind aber nur ein Teil der umfangreichen
Vorbereitungen im Service-Bereich", betont Christoph Hansel, der Leiter des
städtischen WM-Büros, der alle Aktivitäten mit den Beteiligten bespricht und
plant. Dass jemand fließend Englisch spricht, findet er aber gar nicht so
wichtig. Die Hauptsache ist, dass jeder offen, freundlich und hilfsbereit
ist - notfalls mit Händen und Füßen", sagt er.
Deshalb ist auch
Sylvia Quandt nachsichtig mit ihren Schülern. Die Fehler, die in den
Rollenspielen gemacht werden, sollen die Kursteilnehmer selbst herausfinden
und korrigieren. Was gut war, sollte aber auch ausdrücklich gelobt werden,
findet die Lehrerin. Wie immer kommt ihr auch dabei kein einziges deutsches
Wort über die Lippen. Der gesamte Unterricht findet in Englisch statt. Am
liebsten wäre es mir ja, wenn die sich auch in den Pausen auf Englisch
unterhalten würden, aber das machen sie natürlich nicht", sagt Quandt.
Dass englische
Vokabeln mit anderen englischen Vokabeln erklärt werden, hat gerade den
älteren Teilnehmern am Anfang echte Schwierigkeiten bereitet. Am ersten Tag
war ich mir nicht sicher, ob ich das durchhalte", erzählt
Polizeiobermeisterin Jana Kittlaus vom Verkehrsunfalldienst. In den
vergangenen 20 Jahren habe ich so gut wie nie Englisch gesprochen." Da sie
das nun kaum mehr vermeiden kann, hat sie in wenigen Tagen echte
Fortschritte gemacht. Und falls ihr doch noch einmal die Worte fehlen
sollten, hilft auch der Minisprachführer, den alle Teilnehmer als
Gedächtnisstütze bekommen haben. Neben freundlichen Floskeln wie Guten Tag"
und Gern geschehen", können sie dort zur Not auch Krawall" nachschlagen. |